Trotz Erfolg nur mäßige Einnahmen

Obwohl die deutsche Frauennationalmannschaft gerade zum siebten Mal Europameister geworden ist und zweifacher und amtierender Weltmeister ist, ist es für den Deutschen Fußballbund (DFB) immer noch ein Zuschussgeschäft. Jüngst forderte auch DFB-Präsident Theo Zwanziger, dass sich daran dringend etwas ändern müsse. Nicht nur national, sondern auch international. Besonders die Fernsehvermarktung laufe schlecht, und dass obwohl immerhin acht Millionen Fernsehzuschauer das EM-Finale in Helsinki verfolgten.

Die Anerkennung in der Bevölkerung ist im Laufe der Zeit und mit den Erfolgen gewachsen. Zwar können die Damen in der Beliebtheit noch lange nicht mit den Männern mithalten, aber zumindest haben sie die Zeiten hinter sich gelassen, in denen sie pauschal als „lesbische Mannsweiber“ beschimpft und verhöhnt wurden. Heute wird mangelndes Interesse höchstens mit „weniger Dynamik, Athletik und Tempo“ im Vergleich zum Männerfußball begründet. Ansonsten schließt der Frauenfußball immer mehr zum Männerfußball auf, was Technik, Spannung und Organisation anbelangt. Somit hat er inzwischen seine Fans und seine Daseinsberechtigung – nicht zuletzt durch den Erfolg auf nationaler Ebene.

Einen Tag nach dem 6:2-Sieg im EM-Finale über England in Helsinki wurden die deutschen Spielerinnen in Frankfurt am Main von fast 10.000 Menschen begeistert empfangen und gefeiert. Die Anerkennung durch die Bevölkerung ist also da – und die Frauen müssen sich in Sachen Fußball keineswegs mehr verstecken.

Nur mit der Vermarktung hapert es eben noch. Dies liegt vor allem an den bereits angesprochenen Medien. Mehr Medienpräsenz und vor allem Fernsehpräsenz würden nicht nur TV-Gelder und Prämien bedeuten, sondern auch andere Sponsoren anziehen. Immerhin konnte man mit der Deutschen Bahn jüngst einen sechsten nationalen Förderer für die erste Frauen-WM in Deutschland gewinnen.

Vielleicht wird diese WM, die vom 26. Juni bis zum 17. Juli 2011 in neun deutschen Städten stattfinden wird, generell einiges in Bewegung bringen, was längst überfällig ist. Immerhin ist Deutschland hinter den USA die Nummer Zwei in der Fifa-Weltrangliste. Dessen sollten sich auch die Medien bewusst werden und durch eine entsprechende Berichterstattung nicht nur die Akzeptanz weiter steigern, sondern auch mehr Sponsoren aufmerksam machen.

Es gibt heute weitaus mehr Mädchen, die Fußball spielen, und es ist auch nichts mehr Ungewöhnliches, wenn ein Mädchen dies als Hobby angibt. Auch in anderen Bereichen gleicht sich der Frauenfußball dem Männerfußball immer mehr an. So kam es jüngst beim Halbfinale im Hessenpokal zwischen dem VfR 07 Limburg und Germania Wiesbaden zu einem Zwischenfall, den man zuvor nur aus dem Männerfußball kannte: Eine Zuschauerin stürmte auf den Platz und prügelte auf eine Spielerin ein, von der sie meinte, sie habe ein Foul begangen. So wird man in Zukunft auch im Frauenfußball über mehr Sicherheit nachdenken müssen. Ein unschönes, wenn auch sicheres Zeichen dafür, dass der Frauenfußball in professionellen Regionen angekommen ist.

Nun müsste nur noch regelmäßig von der Frauenbundesliga berichtet werden, von der der gewöhnliche Fernsehzuschauer kaum etwas mitbekommt. Nicht, weil er es nicht will, sondern, weil es zu wenig angeboten wird. Vermutlich wird der Frauenfußball nie die gleichen Höhen erreichen wie der Männerfußball, aber etwas mehr Professionalität und mehr Geld für Vereine und Spielerinnen würden dem Sport sicher mehr als gut tun.