Einen Monat lang wurde allen Ortens die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika verfolgt, mitgefiebert, sich aufgeregt, diskutiert. Auch Menschen, die sich sonst nicht für Fußball interessieren, ließen sich in den Bann ziehen. Was bleibt, wenn eine solche Weltmeisterschaft zu Ende geht?
Am meisten beschwert wurde sich über die Vuvuzelas, deren gleichförmiger Klang an einen Hornissenschwarm erinnerte und so nach Meinung der meisten Fernsehzuschauer kein echtes WM-Feeling aufkommen ließ. Die übertragenden Fernsehsender bemühten sich im Verlauf der WM darum, diesen Ton mehr und mehr herauszufiltern, und tatsächlich waren zum Ende hin wieder mehr Fangesänge zu vernehmen.
Ebenfalls viel diskutiert – jedoch bei jedem Ereignis dieser Art auftauchend und insofern nichts Besonderes – die Schiedsrichterleistungen. Der Fernsehzuschauer wird sich wohl nie daran gewöhnen, dass er durch die Kameras sehr viel mehr sieht als die Schiedsrichter auf dem Platz, die keine Dutzende von Perspektiven, Zeitlupen und dergleichen mehr zur Verfügung haben, sondern in Sekundenbruchteilen anhand dessen entscheiden müssen, was sie sehen oder zu sehen glauben. Und selbst wenn dies erkannt wird, so wird dann eben darüber diskutiert, warum es keinen Videobeweis gibt oder wenigstens Torrichter.
Ansonsten stand natürlich die deutsche Nationalmannschaft im Vordergrund. Hierbei fiel dem objektiveren Beobachter auf, wie viel Wert seitens der Medien und des DFB darauf gelegt wurde, die Mannschaft als „jung, frisch und unglaublich sympathisch“ darzustellen, so, als sei der Fernsehzuschauer nicht in der Lage, sich ein eigenes Bild zu machen. Oft hatte man das Gefühl, ein anderes Spiel gesehen zu haben als die Moderatoren, die sich so viel Mühe gaben, alles in einem möglichst positiven Licht erscheinen zu lassen. Es gab doch auch so genügend gute Momente. Wozu eine zusätzliche Beschwörung einer schwarz-rot-goldenen Glücksseligkeit, die spätestens im Halbfinale trotzdem etwas aus dem Takt geriet und durch das Ignorieren der Fans am Frankfurter Flughafen gar einige Risse erhielt? Aber auch dafür wurde eine passende Erklärung geliefert: man habe nicht erwartet, dass so viele Leute zum Flughafen kommen würden. So, als wäre dies ein noch nie dagewesenes Phänomen.
Freude machte die deutsche Nationalmannschaft, die immerhin zu den vier besten Teams der Welt gehört, auch ohne die endlosen „sie sind ja so sympathisch“-Beteuerungen. Es fiel auf, dass bei dieser WM vor allem Teamgeist gefragt war und dass die Mannschaften, die das Stargehabe Einzelner abzulegen vermochten, am Ende ganz oben standen. Bestes Beispiel dafür war Uruguay, die außer Diego Forlán, der als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, nicht gerade Unmengen von Stars aufzuweisen haben. Auch die deutsche Mannschaft präsentierte sich als geschlossenes Team, aus dem vor allem Thomas Müller herausragte, der mit dem Goldenen Schuh für den WM-Torschützenkönig geehrt wurde. Und sogar Holland schaffte es endlich einmal, so etwas wie Teamgeist zu entwickeln und kam damit prompt ins Finale. Auch Weltmeister Spanien gelang es, Starallüren zu unterdrücken und ergebnisorientiert zu spielen.
Ergebnisorientiert ist ein weiteres Stichwort dieser WM. Es ist eine Absage an den „schönen Fußball“. Die deutsche Mannschaft hat Ansätze dazu gezeigt, wie sich Ergebnisorientierung und schöner Fußball verbinden lassen, wenn auch noch nicht durchgängig. Vielleicht ändert sich das ja bei der EM 2012.