Die Bedeutung des Jugendfußballs

Die sehr junge deutsche Nationalmannschaft hat die enorm hohe Bedeutung des Jugendfußballs zuletzt deutlich unterstrichen. Man kann auf Dauer nicht darauf setzen, möglichst viele teure Ausländer in die Bundesliga zu holen. Stattdessen muss die eigene Jugend gezielt gefördert und auch Jugendliche mit Migrationshintergrund integriert werden. Ganz besonders unter dem Gesichtspunkt, dass Sport ganz erheblich zur Integration beiträgt, mehr, als andere Maßnahmen es vermögen. Nichts wird in der Gesellschaft mehr anerkannt als Leistung. Und gerade im Bereich des Sports ist es möglich, eine besondere Leistung erbringen zu können.

Dass die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2010 in Südafrika mit so vielen jungen Spielern angetreten ist, zeigt, dass bereits ein Wandel stattgefunden hat und die Arbeit der letzten Jahre Früchte trägt. Besonders erfreulich ist, dass die Lebensläufe einiger Nationalspieler zeigen, dass es nicht immer das teure Fußballinternat sein muss, um den Einstieg in die Bundesliga schaffen zu können. Weder der FC 07 Bergheim, der Ursprungsverein von Lukas Podolski, noch der FT Gern München, der Heimatverein von Philipp Lahm, gehören zu den „großen“ Vereinen. Es sind vielmehr – im Verhältnis – kleine Amateurvereine, die besonderen Wert auf Jugendarbeit legen. Und genau diese Amateurvereine sind die Eckpfeiler des Jugendfußballs und damit des gesamten deutschen Fußballs.

Die Beispiele einiger aktueller deutscher Nationalspieler machen Mut. Sie sind Anreiz für viele Jugendliche, in einen Verein in ihrer Nähe einzutreten und durch den Sport etwas zu erreichen. Natürlich dürften bei den meisten Traum und Anreiz sein, einmal in der Nationalmannschaft zu spielen. Was den Jugendlichen nicht bewusst ist: es ist auch der indirekte Anreiz, überhaupt etwas aus ihrem Leben zu machen. Teil einer Gemeinschaft sein, bedeutet Teil der Gesellschaft sein. Fußball bedeutet auch, Regeln zu lernen und diese zu akzeptieren. Sport bedeutet, sich Ziele zu stecken und diese zu erreichen. Und wenn dies in diesem Bereich gelingt, so gelingt es womöglich auch in anderen Bereichen des Lebens.

Und trotz dieser positiven Signale: noch immer wird zu wenig in den Jugendfußball investiert. Besonders die „kleinen“ Amateurvereine sind davon betroffen. Im Jugendbereich sind es oft die engagierten, leidenschaftlichen Trainer, die einerseits ausschlaggebend und richtungsweisend sind, andererseits ihrer Aufgabe ehrenamtlich nachkommen. Zwar sind zumeist jene Menschen besonders motivierend und fleißig, und doch ist es schade, dass ihnen so wenig Anerkennung zukommt.

Ihre Tätigkeit geht zumeist weit über Fußballtraining hinaus. Gerade in sozialschwächeren Vierteln ist ein Jugendtrainer oft auch Ersatzvater, Vorbild und Sozialarbeiter. In Vierteln mit einem hohen Anteil an Hartz-IV-Empfängern, Arbeitslosen und Familien mit Migrationshintergrund müssen Vereine Lösungen dafür finden, dass die Jugendlichen überhaupt professionell Fußball spielen können, denn schon der monatliche Vereinsbeitrag oder Fußballschuhe stellen mitunter eine unüberwindbare finanzielle Hürde dar. So werden fehlende Vereinsbeiträge schon mal damit beglichen, dass die Jugendlichen beim Aufräumen oder Saubermachen helfen. Auch andere Probleme müssen gelöst werden, sich wachsender Gewaltbereitschaft entgegen gestellt werden.

Mit diesen Problemen sollten gerade diese Vereine nicht allein gelassen werden. Nicht so sehr um der Vereine willen, sondern wegen des deutschen Fußballs an sich. Der erste Schritt ist gemacht, die erste Ernte bereits eingefahren, aber das große Ziel noch lange nicht erreicht.

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